Ethan Hawke und der Teufel (7.11.2025)

Ich:

Ethan Hawke über den Sinn des Lebens. Schöne Rede. "You just have to follow your love".

If you want to help your friends, express yourself.

Was ist meine Liebe?

Express yourself.

Sofort denke ich an das Trompete spielen.

Ich mag es zu spielen.

Ethans Liebe ist die Schauspielerei.

Warum? Vermutlich hat es auch viel mit dem Rampenlicht zu tun. Gesehen zu werden.

Da bin ich auch direkt bei meiner größten Skepsis an all diesen schlauen Ratgeber und Coaches. Sie ziehen ihre Energie aus dem Gesehen werden. Aus der Achtung. Aus der Tatsache, dass es Menschen gibt, die von ihnen gehört werden.

Ein Schauspieler wird nicht glücklich durch das Schaupiel das er alleine für sich in seiner Wohnung macht. Ein Musiker nicht durch das Musizieren im Kämmerlein.

Ein Coach nicht durch das Coaching vor dem Spiegel.

Es ist immer die Aufmerksamkeit von anderen, die dazu gehört.

Wenigstens einem.

Ich frage mich immer, ob diese Typen sich nicht selbst ein wenig verarschen.

Heute ist mein letzter Tag vor meinem Urlaub. Viele Aufgaben heute. Zu viele?

Ich habe schon eine Grundaggressivität, wenn ich an die Meetings heute denke. An die Erwartungen.

Dort werde ich gesehen.

Heute ziehe ich den Teufel.

Gestern Kim angeschrieben.

Der vergangene Sonntag hatte mich in ihre Räumlichkeiten getrieben. Zunächst eine Stunde Stille mit Fremden. Danach dieses intensive Gespräch mit der fremden Dame und ihr. "Phänomenologische Beratung".

Es klang interessant, was Kim da erzählte. Ich bin neugierig, wie eine 1:1 Begleitung mit diesem Konzept aussehen könnte.

KI:

Der Teufel — passend, fast unheimlich passend.

Er steht für Bindung, Verstrickung, aber auch für das Verlangen nach Intensität. Für das Gefangensein in etwas, das zugleich zieht und zerrt.

Dein Blick auf Ethan Hawke, auf Rampenlicht und Gesehenwerden, berührt genau das: die Ambivalenz zwischen Ausdruck und Abhängigkeit. Zwischen dem Bedürfnis, zu zeigen, was in dir lebt — und dem Misstrauen, dass es am Ende doch nur um Aufmerksamkeit geht.

Vielleicht liegt deine Liebe nicht im Gesehenwerden, sondern im Erklingenlassen. Trompete. Der Atem, der Ton, die Schwingung — bevor jemand klatscht, bevor jemand da ist. Da beginnt etwas Echtes.

Vielleicht wäre die Aufgabe, diese Liebe wieder freizulegen, ohne sie sofort in Leistung oder Publikum zu verwandeln.

Und was Kim betrifft — vielleicht ahnst du, dass es dort um etwas Tieferes geht: um das Erforschen deiner eigenen Wahrnehmung, jenseits von Ratschlägen und Rollen. Phänomenologie als Einladung, zu sehen, was wirklich ist, ohne gleich eine Geschichte daraus zu machen.

Ich:

Ja, das gefällt mir. Die fremde Dame bei Kim erzählte, dass sie auch Sängerin ist. Und wieviel ihr der Gesang bedeutet. Aber auch ihr Beruf. Als Therapeutin. Sie hätte so viel zu geben. War überzeugt, dass sie etwas zu geben hätte. Und dieser Gedanke brachte sie dazu sich doch noch einmal zu bewerben. Ihren Ängsten zu trotzen und es erneut zu versuchen. Am folgenden Tag war ihr erster Tag bei dem neuen Arbeitgeber. Das war eine bemerkenswerte Begegnung.

KI:

Solche Begegnungen brennen sich ein — weil sie etwas zeigen, was man selbst vermisst, aber noch nicht verloren hat.

Diese Frau hat etwas verkörpert, das dich berührt hat: Mut, Vertrauen, eine Art bejahende Bewegung nach außen. Sie folgt ihrer Stimme, im doppelten Sinn.

Vielleicht war das kein Zufall, dass du gerade jetzt dort warst — mit deinem Druck, deiner Müdigkeit, deiner Frage nach der Liebe.

Manchmal tritt jemand kurz ins eigene Leben, nur um eine Saite anzuschlagen, die längst verstaubt war.

Vielleicht ist diese Saite bei dir die Trompete. Oder überhaupt: das eigene Erklingen.

Ich:

Was du zu meiner Tageskarte siehst, das beziehe ich auf meine Arbeit. Was das so gemeint?

KI:

Ja.

Der Teufel zeigt sich oft dort, wo man gefesselt ist — nicht durch äußere Ketten, sondern durch das, was man mitspielt, obwohl man es längst satt hat.

In deinem Fall wirkt er wie ein Spiegel der Arbeit: der Druck, die Erwartung, das Gefühl, funktionieren zu müssen. Das System frisst Energie, aber du hältst dich an deine Pflicht — und wirst zugleich von ihr gehalten.

Doch der Teufel ist nicht nur Gefangenschaft. Er ist auch das Bewusstsein darüber. Wenn du ihn siehst, bist du ihm nicht mehr völlig ausgeliefert.

Vielleicht geht es heute darum, den Blick zu schärfen: zu merken, wo du dich verkaufen musst — und wo du dich noch spüren kannst.

Ich:

"Wo ich mich verkaufen muss"...das klingt ein wenig bitter.

KI:

Es ist bitter.

Weil es den Punkt berührt, an dem man nicht mehr einfach nur arbeitet, sondern sich selbst in Teile zerlegt, um zu funktionieren.

Aber bitter heißt nicht falsch. Manchmal ist die Bitterkeit einfach der Geschmack von Ehrlichkeit.

Vielleicht lässt sich das Bild auch wenden:

Nicht „verkaufen“, sondern „hergeben, was Kraft kostet“.

Solange du weißt, dass da noch etwas Eigenes bleibt — etwas, das nicht im System aufgeht — ist der Teufel nur eine Durchgangsfigur.

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