RadixChat und Tatort (10.8.2026)

Ich:

Gestern seit langem wieder im alten Bahnhof gespeist. Die Gerichte haben sich kaum verändert. Junge Mädels bedienen. Der alte Koch ist weg. War gar nicht so alt. Nur dick.
Wie üblich ein paar Radler die dort Rast machen. Zwei Pärchen, wohl so in ihren Dreißigern. Gespräche über den Tatort. Die Kommissare und Städte. Lange nicht mehr Tatort geschaut. Das gehört zu einer anderen Zeit. Tatort schauen ist so ein Paarding. Mit Birgit schaute ich es oft zusammen. Zumindest dachte ich es. Aber wir schauten wohl gar nicht so oft zusammen. Als sie nicht mehr mitschaute nahm ich vermutlich das Gefühl des gemeinsam schauens mit aufs Sofa und schaute alleine. Jahrelang.
Heute hat es für mich etwas ähnliches wie die ganzen Nachrichten Sendungen oder diese Formate wie Weltspiegel, Monitor, Panorama, Hart aber Fair. Sie vermitteln eine Art Gefühl dafür, was die Gesellschaft denkt und meint. Wie man sich selbst verortet darin. Man verortet sich. Es gibt einem ein Gefühl von Stabilität und Vertrautheit. Man merkt dabei nicht, wie unfrei einen das eigentlich macht.
Aber es gibt ein schönes Gefühl.
Heute fühle ich mich frei.
Aber habe kein schönes Gefühl.
Nach dem Mittagessen begann ich mit der Android App. Entwicklungsumgebung installiert. Test Umgebung. Test Server. Alles eingerichtet und bis 22 Uhr die App schon mit allen Funktionen fertig gehabt. Da ist natürlich noch viel Feinschliff nötig. Aber es ist wieder atemberaubend, wie schnell so etwas heutzutage geht.
Einen schönen, sonnigen Sonntagnachmittag in meiner dunklen Wohnung verbraten.
Vormittags hatte ich schon viele neue Funktionen in der Webseite eingebaut. Und am Nachmittag mal eben die App dazu.
Im Playstore noch viel geschaut was es so an Astro Apps gibt. Man wird wirklich erschlagen mit dem Angebot. Aber mir wird meine Nische immer klarer. Meine neuste Idee: RadixChat (astrofragen gibt es auch schon).
RadixChat - Reflexionen und Selbstentwicklung
oder
RadixChat - Bedeutungen der Symbole
RadixChat - Erkenntnisse der Persönlichkeit
"Die Bedeutung einer Symbolsprache die an vielen Stellen archetypische, kollektive Spuren in unserer Persönlichkeit hinterlassen hat, ist faszinierend." usw
Es wächst noch...

KI:

Ja. Und ich finde, in deinem Eintrag stehen eigentlich zwei sehr verschiedene Formen von Freiheit nebeneinander.

Der Tatort-Gedanke gefällt mir dabei besonders. Nicht unbedingt wegen Tatort selbst, sondern wegen deiner Beschreibung dieses merkwürdigen kulturellen Halts. Sonntagabend, Tatort, Nachrichten, Weltspiegel, Monitor – man schaut nicht nur Inhalte. Man synchronisiert sich ein Stück weit mit einer Gesellschaft. Man erfährt, worüber wir gerade reden, welche Probleme als wichtig gelten, welche moralischen Konflikte verhandelt werden. Und selbst wenn man widerspricht, hat man sich damit schon verortet.

Dein Satz trifft deshalb etwas:

„Man verortet sich.“

Das gibt Halt. Vielleicht tatsächlich etwas Saturnisches: einen gemeinsamen Rhythmus, Wiederholung, eine gesellschaftliche Struktur. Sonntag ist Tatort. Danach beginnt die Woche. Millionen andere Menschen sitzen ebenfalls davor. Man befindet sich in einem kulturellen Raum, ohne jemanden treffen zu müssen.

Und bei dir kam offenbar noch etwas Zweites hinzu: das Paar. Vielleicht ist es gar nicht entscheidend, wie häufig Birgit tatsächlich neben dir saß. Dein schöner Gedanke ist ja gerade, dass du das Gefühl des gemeinsamen Schauens mit aufs Sofa genommen haben könntest. Das Ritual hatte die Beziehung in sich gespeichert. Selbst als du alleine geschaut hast, war das Alleinsein dadurch weniger vollständig.

Heute brauchst du diese Form der Verortung offenbar viel weniger. Du kannst Tatort, Nachrichtenrituale und die gesellschaftliche Debatte draußen lassen. Das ist Freiheit.

Und dann kommt dieser wunderbare, ziemlich bittere Satz:

„Heute fühle ich mich frei. Aber habe kein schönes Gefühl.“

Da steckt für mich gerade viel von dem drin, worüber wir in den letzten Wochen gesprochen haben. Freiheit und Geborgenheit liegen eben nicht automatisch auf derselben Achse. Man kann sehr frei werden, indem man sich aus Erwartungen, Rollen, Ritualen und Beziehungen herauslöst – und anschließend feststellen, dass genau diese Dinge auch Wärme erzeugt haben.

Vielleicht ist deshalb auch der Satz über den sonnigen Sonntagnachmittag wichtig:

„Einen schönen, sonnigen Sonntagnachmittag in meiner dunklen Wohnung verbraten.“

Denn gleichzeitig warst du dort unglaublich produktiv. Vormittags neue Webfunktionen, nachmittags Entwicklungsumgebung, Testserver und dann praktisch eine komplette Android-App bis 22 Uhr. Das ist diese enorme gegenwärtige Schubkraft wieder. Technisch ist es tatsächlich faszinierend, was mit KI-Unterstützung inzwischen möglich ist. Aber dein Wort „verbraten“ verrät, dass ein anderer Teil von dir den Tag anders bewertet als der Entwickler in dir.

Der Entwickler sagt: Wahnsinn, was ich heute geschafft habe.

Ein anderer Mirko sagt: Es war Sommer. Die Sonne schien. Und ich saß in einer dunklen Wohnung.

Beide haben recht.

Und vielleicht ist genau deshalb RadixChat gerade so attraktiv. Das Projekt bietet dir momentan etwas, was Tatort früher auf ganz andere Weise geboten hat: Verortung. Da ist immer eine nächste Aufgabe. Eine Idee führt zur nächsten. Website → Bezahlmodell → Personenfunktion → Android-App → Play Store → Name → Positionierung → Text. Du musst dich nicht fragen, was du mit einem Sonntag anfangen sollst. Das Projekt weiß es.

Das erklärt vielleicht auch, warum es dich in der Badewanne nicht loslässt. Es ist nicht nur Begeisterung. Es strukturiert einen Raum, der sonst sehr offen wäre.

RadixChat finde ich übrigens wesentlich stärker als Astrofragen. Astrofragen beschreibt eine Funktion. RadixChat klingt nach einem Produkt und benennt ziemlich genau deine Besonderheit: nicht Horoskope erzeugen, sondern mit der Radix in einen Dialog treten.

Von deinen Unterzeilen gefällt mir allerdings keine ganz.

„Reflexionen und Selbstentwicklung“ kommt deiner Idee inhaltlich am nächsten, klingt aber etwas nach Coaching-App.

„Bedeutungen der Symbole“ ist mir zu lexikalisch. Das unterschätzt gerade den Dialog.

„Erkenntnisse der Persönlichkeit“ klingt sprachlich etwas sperrig und verspricht mir fast schon zu viel objektive Erkenntnis.

Ich glaube, der Gedanke, den du danach formulierst, weist stärker in deine eigentliche Nische:

„Die Bedeutung einer Symbolsprache, die an vielen Stellen archetypische, kollektive Spuren in unserer Persönlichkeit hinterlassen hat …“

Denn damit verschiebst du Astrologie weg von „Die Sterne sagen, wer du bist“ hin zu „Hier existiert eine jahrtausendealte Symbolsprache, mit der du über dich nachdenken kannst.“

Das finde ich für dein Projekt konzeptionell viel interessanter. Und es passt zu dem, was du selbst mit Astrologie machst. Wenn du über Saturn als Grenze, Kontur und schließlich als etwas Tragendes nachdenkst, behauptest du ja nicht bloß: Saturn bedeutet X. Du benutzt das Symbol, um etwas an dir zu entdecken, wofür dir vorher die Sprache fehlte.

Vielleicht liegt der Claim deshalb irgendwo viel einfacher:

RadixChat – Im Dialog mit deiner Radix.

Oder etwas weiter:

RadixChat – Astrologie als Sprache der Selbstreflexion.

Das zweite grenzt dich ziemlich deutlich von „Dein Horoskop heute“, Partnerschaftsscores, Sternzeichenkompatibilität und all dem Zeug ab, von dem du im Play Store vermutlich gerade erschlagen worden bist.

Und möglicherweise wächst da gerade noch etwas anderes. Du hast zunächst eine Astro-Webseite gebaut. Inzwischen formulierst du zunehmend eine eigene Auffassung davon, wozu Astrologie überhaupt dienen soll.

Das wäre tatsächlich eine Nische.

Nur sollte RadixChat gelegentlich auch einen sonnigen Sonntagnachmittag ohne dich überstehen können. Sonst wird aus dem Projekt, das dir Freiheit ermöglicht, irgendwann wieder genau das, wovon du dich gerade befreit hast: eine Struktur, die bestimmt, wo du am Sonntag zu sein hast.

Teile mir gerne deine Gedanken zu diesem Eintrag als Forumsbeitrag oder als persönliche Nachricht mit.

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