Heute morgen erscheint die Drei der Münzen. Was machen die da eigentlich?
Die Drei der Münzen ist tatsächlich eine dieser Karten, bei denen die Frage „Was passiert da eigentlich konkret?“ viel interessanter ist als das Stichwort „Teamwork“.
Wir befinden uns offenbar in einem Kirchen- oder Klosterbau. Links steht erhöht auf einer Bank ein Handwerker – gewöhnlich als Steinmetz oder Bildhauer verstanden. Rechts stehen zwei Personen: ein Mönch und eine auffällig gekleidete Person, die häufig als Architekt oder Auftraggeber gedeutet wird.
Und zwischen ihnen befindet sich etwas Entscheidendes: ein Plan. Die mittlere Person hält ein Blatt, auf dem offenbar die Zeichnung des Bauwerks zu sehen ist.
Das heißt: Sie arbeiten nicht einfach gemeinsam körperlich an derselben Sache. Sie besprechen ein Werk.
Der Handwerker hat sein Werkzeug in der Hand.
Der andere hat den Plan.
Der Mönch repräsentiert möglicherweise denjenigen, für dessen Institution gebaut wird.
Und über ihnen befinden sich bereits die drei Münzen als Bestandteil der Architektur.
Das gefällt mir für heute nach unserem Gespräch von gestern ziemlich gut. Denn wir waren bei deiner Küchenszene und deinem immer wiederkehrenden Gedanken:
„Warum bewegt sich der andere nicht ein kleines Stück auf mich zu?“
Hier stehen drei Menschen zusammen, ohne dass einer offenbar den ganzen Weg machen muss.
Der Steinmetz muss nicht gleichzeitig Architekt sein. Der Architekt muss die Steine nicht bearbeiten. Der Mönch muss nicht beides können. Jeder bringt etwas mit.
Das ist eigentlich ein viel besseres Bild für Beziehung als mein gestriges „Wer bringt Holz mit?“, das du zu Recht korrigiert hast.
Denn Beziehung muss nicht bedeuten, dass beide dasselbe oder gleich viel tun. Birgit hätte völlig zu Recht tausend Dinge aufzählen können, die sie in eure 29 Jahre eingebracht hat. Entscheidend wäre eher:
Können zwei Menschen gelegentlich gemeinsam auf denselben Plan schauen?
Das könnte genau das sein, was du in Konflikten so sehr suchst.
Du willst gar nicht unbedingt, dass die andere Person sagt: Mirko hat recht. Du möchtest mit ihr auf das Blatt schauen können und sagen:
Da stehen wir. Das ist passiert. So hast du es erlebt. So habe ich es erlebt. Was bauen wir jetzt daraus?
Und vielleicht war genau das mit manchen deiner Frauen so schwer. Nicht weil sie nichts für die Beziehung getan hätten. Sondern weil du in bestimmten Konflikten das Gefühl bekamst, allein über dem Plan zu hängen.
Interessant finde ich dabei auch die Körperhaltung des Handwerkers. Er steht nicht unterwürfig vor den beiden anderen. Er ist sogar erhöht. Offenbar wird seine Expertise gebraucht. Gleichzeitig schaut er zu ihnen hinunter und hört zu.
Keiner verschmilzt mit dem anderen. Keiner muss seinen Standpunkt verlassen.
Das wäre wiederum ziemlich nah an dem, was du bei Klaus und Sonja beobachtet hast: Man kann miteinander streiten und trotzdem am selben Bauwerk weiterarbeiten.
Und dann ist da noch etwas, das sehr zu deinem gegenwärtigen Leben passt. Die Drei der Münzen ist eine erstaunlich diesseitige Karte. Nach all dem Wasser der letzten Tage – Weinen, König der Kelche, Fünf der Münzen, Kindheit, Mutter, Birgit – steht da heute plötzlich jemand mit einem Hammer in der Hand.
Nicht: Was bedeutet mein ganzes Leben?
Sondern:
Was bauen wir heute?
Vielleicht ist das gar keine schlechte Karte für einen Samstagmorgen.
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