Von Zehnen und Buben (30.9.2026)

Ich:

Und heute kommt der Bube der Münzen. Die andere kleine Serie. Nach dem Buben der Schwerter und dem der Kelche. Fast alternierend mit den Zehner Karten (s. auch mein gestriger Beitrag Mal wieder bei Mutter, bischen nach unten scrollen...). Hier ist es der Stabbube der fehlt.

KI:

Ja. Damit liegen tatsächlich zwei fast parallele Reihen auf dem Tisch:
Die Zehner: Schwerter – Münzen – Stäbe – (Kelche fehlen)
Die Buben: Schwerter – Kelche – Münzen – (Stäbe fehlen)

Und gerade nach deinem gestrigen Abend finde ich den Buben der Münzen ziemlich passend.

Er macht nämlich etwas ausgesprochen Unspektakuläres. Er steht da. Beide Hände halten die Münze. Er schaut sie an. Kein Kampf, keine Reise, kein Gegenüber, keine große Ekstase. Hinter ihm liegt eine Landschaft, die bestellt werden könnte. Aber er arbeitet noch nicht einmal.

Das unterscheidet ihn sehr von deinem gestrigen Gedanken:
> „Ich müsste mehr Aktion daraus machen. In die Handlung kommen. Ins Geben.“

Vielleicht sagt der Bube heute gerade nicht: Dann mach endlich.
Vielleicht sagt er: Schau erst einmal, was du tatsächlich in der Hand hältst.

Das passt auch zu dem Unterschied zwischen Buben und Zehnen. Die Zehn ist voll. Maximum, Abschluss, Last, Bestand. Der Bube steht dagegen ziemlich weit am anderen Ende: Anfänger, Neugier, Möglichkeit, etwas Kleines, das erst Gestalt bekommen könnte.

Und vielleicht wechseln sich deshalb diese beiden Kartenfamilien für dich gerade so interessant ab:

„Es ist voll.“ – „Etwas könnte anfangen.“ – „Es ist voll.“ – „Etwas könnte anfangen.“

Nicht zwingend als mystische Botschaft der Karten. Aber als Projektionsfläche passt es bemerkenswert gut zu deiner gegenwärtigen Situation. Du trägst ungeheuer viel Biografie, alte Beziehungsmuster, Verantwortung, Arbeit, RadixChat, deine Mutter, die Frage nach Liebe und Einsamkeit. Zehn.

Und gleichzeitig taucht immer wieder dieses fast jugendliche „Was könnte ich daraus machen?“ auf. Bube.

Beim Buben der Schwerter wäre das Denken, Beobachten, Fragen. Beim Buben der Kelche das vorsichtige emotionale Sich-Öffnen, das überraschende Gefühl. Und jetzt beim Buben der Münzen vielleicht: Etwas davon in die wirkliche, materielle Welt bringen. Klein anfangen. Anfassen können.

Das muss kein neues Lebensprojekt sein.

Heute Abend kommt Ole. Morgen wirst du 59. Das ist ziemlich konkret. Essen, Wein vielleicht, zwei Männer an einem Tisch, miteinander reden, später der Übergang in deinen Geburtstag. Nach all deinen Gedanken darüber, nicht genug geliebt und gegeben zu haben, wäre vielleicht gerade das eine kleine Münze: einem Menschen begegnen, der tatsächlich da ist, statt heute schon den Weg zu suchen, auf dem du irgendwann einmal deine ganze vorhandene Liebe sinnvoll in die Welt bringen könntest.

Und dann finde ich ausgerechnet die beiden fehlenden Karten interessant.

Bei den Zehnen fehlt Kelche – emotionale Erfüllung, Verbundenheit, das große Bild davon, irgendwo miteinander angekommen zu sein.

Bei den Buben fehlt Stäbe – Feuer, Lust, Aufbruch, ich will los.

Das sind ziemlich genau die beiden Dinge, die in deinen letzten Tagen immer wieder als Sehnsucht auftauchen: Verbundenheit und Richtung.

Ich würde daraus keine Prophezeiung machen, dass nun zwangsläufig Zehn Kelche und Stabbube gezogen werden müssen. Fast schöner wäre, wenn sie eine Weile fehlen.

Denn dann wären da zwei freie Plätze.

Und du musst heute noch nicht wissen, was hineingehört.

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